Feuer
Lange Zeit lebte sie mit einer Glut in sich.
Nicht hell genug, um die Welt zu erleuchten.
Aber auch nie schwach genug, um zu verlöschen.
Sie trug sie durch ihre Tage, durch ihre Nächte, durch all die Momente, in denen sie sich fragte, warum etwas in ihr nach mehr verlangte. Nach Intensität. Nach Tiefe. Nach einem Gefühl, das sie nicht benennen konnte.
Manchmal glaubte sie, die Glut sei ihr Fehler.
Etwas, das sie verbergen musste.
Etwas, das andere Menschen scheinbar leichter fanden als sie.
Also hielt sie sie klein.
Sorgfältig.
Bis sie eines Tages auf etwas traf, das sie nicht e*****kte, sondern nährte.
Und plötzlich begann die Glut zu leuchten.
Dann zu brennen.
Dann alles in ihr in ein Feuer zu verwandeln, das sie nie für möglich gehalten hätte.
Nicht zerstörerisch.
Lebendig.
Mit jeder Begegnung, jedem Gedanken, jedem Herzschlag wurde ihr klarer, dass sie nicht nach Leidenschaft gesucht hatte.
Die Leidenschaft hatte immer schon in ihr gelebt.
Sie hatte nur noch nie erlebt, wie es sich anfühlt, wenn jemand die Hand in dieselbe Glut hält und nicht davor zurückweicht.
Und in diesem Feuer lag eine Erkenntnis, die sie tief berührte:
Mit ihr war nie etwas falsch gewesen.
Sie war nie weniger gewesen.
Die Flammen hatten die ganze Zeit auf ihren Moment gewartet.







